Legen die denn auch Eier? Oder: Warten auf Godot.

Das ist ja so auf dem Land. Man kennt sich. Man kennt die Nachbarn. Es gibt Notnachbarn, Kranznachbarn, rechte Nachbarn (Nein nicht politisch!) die müssen die Beerdigung organisieren, usw. Und da man niemals anonym bleibt in einem solchen Dorf, interessieren sich auch die Nachbarn für die Hühner. Und eigentlich auch das ganze Dorf. Als wir den Hühnerstall aufgestellt hatten und die Hühner eingezogen waren, war auch an unserem Feldweg ein erhöhter Durchgangsverkehr von Autos, Fahrrädern, Treckern und Hundehaltern zu verzeichnen. Das ist im Dorf immer so und ist auch bei Neubauten, Gartenumgestaltungen, neuen Autos, Nachwuchs und sonstigen wichtigen Lebensereignissen festzustellen.

Und wie oft haben wir den Satz „Und? Legen die denn auch Eier?“ gehört? Ich weiß es nicht mehr. Aber wir wussten ja auch nicht, wann die endlich mal anfangen, ihren Produktionsauftrag zu erfüllen. Dafür hatten wir sie schließlich gegen freie Kost und Logis angestellt. Die Hauptpflichten aus dem Arbeitsvertrag waren für beide Seiten also klar geregelt. Und innerhalb der vertraglich vereinbarten Probezeit ging es dann auch los…

Mit Windeiern.

Wikipedia: „Unter einem Windei versteht man ein Vogelei, das ohne Kalkschale gelegt wird, und daher nur von der dünnen Schalenhaut umgeben ist. Der Name leitet sich von lateinisch ova subventanea ab (ova – ‚Eier‘; ventus – ‚Wind‘). Man dachte, dass diese Eier durch den Wind, bzw. den Atem eines Gottes befruchtet worden waren.“ Aha.

Wikipedia hat vergessen zu schreiben, dass Windeier eben auch vorkommen, wenn die Hühner anfangen Eier zu legen. Typisch also für die Probezeit. Sie üben noch. Kein Grund zur Sorge. Man sollte Windeier allerdings immer schnell entsorgen. Damit die Hühner sich nicht drüber hermachen und meinen, Eier sind zum Essen da…

Und dann kam es endlich. Das erste Ei! Und viele sollten folgen. Sehr viele…

Advertisements

Das Hühnerfutter und das „Ockenfels-Lönneberga-Syndrom“

Was gibt man einem Huhn eigentlich zum Fressen? Reste? Biomüll? Körnerfutter? Tipps bekommt man ja viele. Vom Grillfleisch bis zu Küchenresten, Wurst, Käse, usw.. Übriggebliebene Fruchtstücke aus einer Bowle sind übrigens nach Angaben und eigenen Erfahrungen eines guten Freundes unbedingt zu vermeiden. Sie, also die Hühner, leiden dann am „Ockenfels-Lönneberga-Syndrom“, einem Zustand der akuten Alkoholintoxikation. Sind Hühner den Genuss von Alkohol nicht gewohnt reagieren sie enthemmt und es gibt akute Beeinträchtigungen des Bewusstseins, der Kognition, der Wahrnehmung, der Affekte oder des Verhaltens. Und manchmal fallen sie tot um. Also besser nicht verabreichen…

Wir haben uns nach einigen Experimenten mit wechselnden  Zusammenstellungen (die übrigens kein Problem für die Drei waren) für ein sogenanntes „Alleinfutter“ entschieden. Also ein Futter, das Körner und Legemehl enthält und somit eine ausgewogene Ernährung und ein gutes Eierlegen sichert. Unsere Variante ist zudem noch Gentechnikfrei, so dass unsere Eier natürlich in der Premium-Klasse liegen. 😉

Wir bestellen das Futter über unseren Raiffeisenmarkt. Es nennt sich „GoldDott Eierglück ohne Gentechnik“. Was will man also mehr. Aber unsere Hühner werden natürlich auch zusätzlich verwöhnt. Sie essen gerne Salat. Dafür klettern sie auch auf Klettergerüste, die wir ihnen im Garten aufbauen. Möhren gehen, entgegen der Erfahrungen anderer Hühnerhalter, überhaupt nicht.

Aber sie lieben: Mehlwürmer. Getrocknete Mehlwürmer. Wenn wir damit ankommen, sind sie nicht mehr zu halten. Die gibt’s täglich in kleiner Menge, vor allem, wenn sie im Auslauf bleiben müssen. Dann haben sie was zu picken und zu scharren.

Aber was nutzt Eierglück ohne Eier?  Davon später mehr.

My home is my castle! oder: Der Hühnerstall – Aufzucht und Pflege

Heute schieben wir mal einen ganzen Artikel als „Praxistipp“ ein. Denn für jeden (zukünftigen) Hühnerhalter stellt sich die Frage: Wie soll der Stall nun aussehen? Und was muss der alles können? Wie bereits weiter unten beschrieben, haben wir unseren in der Nähe von Gouda gekauft. Und dann auch gleich aufgebaut. So sah er dann aus:

stall front

Tim hat dankenswerterweise die Fotos mit den entsprechenden Maßen versehen, so dass man eine Vorstellung von der Größe bekommt. Wichtig bei diesem Stall: Er war nur einmal gestrichen. Wir haben ihn ein zweites Mal gestrichen, um einen besseren Wetterschutz zu haben. Außerdem bestand der Boden des Legenestes nur aus einem Holzgitter. Es zog also von unten. Ist ja nicht so angenehm, wenn es von unten zieht… Daher haben wir dort noch eine Holzplatte drunter geschraubt. An eine Seite (die später genau in Windrichtung steht) haben wir an ein Element eine Plexiglasscheibe angebracht, damit es eine windgeschützte, aber helle Ecke im Auslauf gibt. Für die Wintermonate haben wir an die gesamte Windseite Plexiglas angebracht. Das wird im Frühjahr wieder entfernt. Bis auf die eine Ecke. Wir haben übrigens unter den gesamten Rahmen (müsste man auf dem unteren Bild erkennen können) alte, von unserem alten Gartenzaun übriggebliebene Zaunpfosten geschraubt, da der Stall natürlich immer im feuchten Boden steht und der ursprüngliche weiße Rahmen nicht sehr dick ist.

Uns war irgendwie klar, dass wir den Auslauf erweitern wollten, damit die Hühner mehr Platz haben. Wir sind alle vier berufstätig und können die Hühner tagsüber nicht in den Garten lassen. Denn bei uns leben auch Füchse und andere natürliche Feinde der Hühner. Und unser Garten ist auch nicht abgeschlossen. Fluchtmöglichkeiten also vorhanden. Das geht nur am Wochenende. Daher brauchen sie auch ein bisschen Auslauf mehr. Vielleicht auch für die Wintermonate eine ganz gute Investition. Mit bescheidenen Heimwerkerkenntnissen haben wir dann einen Auslauf mit einer zweiten Tür gebaut, in den gleichen Farben gestrichen und mit dem Stall verbunden. Nun war genug Platz für die Hühner und wir waren sehr zufrieden mit dem Bauwerk. Für das Zusammenschrauben und den Transport an den endgültigen Standort braucht man dann allerdings auch die ganze Familie. Aber das klappt bei uns ganz gut. Wir alle haben die Hühner ja in unser Herz geschlossen. So sah das (vorerst) fertige Produkt dann aus:

stall rück

 

Über den Preis pro Ei wollen wir hier natürlich nicht reden. Und es war nicht der letzte Ausbau, der noch folgen sollte…

Nomen est omen – Wie heißen die Hühner denn?

Darf ich vorstellen: Holly! – Die mit Feuer unterm Hintern…

Huhn_DSC72492017,

 

Holly. Deren Rasse wir nicht kennen. Die sich aber so verhält. Wie Holly. Draufgängerisch, frech, immer ganz vorne mit dabei. Bei jeder Feier ein Biest. So wie das Partygirl Holly in „Frühstück bei Tiffany“. Sie springt auch schon mal über andere Hühner, wenn sie was will. Oder wenn wir mit Extra-Futter kommen. Einem kleingeschnittenen Apfel zum Beispiel. So haben wir sie eine lange Zeit erlebt. Daher passt der Name auch gut.

Achtung Herrschaften: Hier kommt Polly! Die Grande Dame des Hühnerstalls…

Huhn_DSC41652017,

Polly. So wie Tante Polly. Und so tantenhaft ist sie auch. Immer geschwätzig, immer ihre Erhabenheit demonstrieren und zeigen, dass man die First Lady ist. Sie hackt die anderen Hühner, am meisten Molly. Polly ist in der Hackordnung ganz oben. Das ist Polly. Aus dem aramäischen: die Schöne. Polly ist die Abkürzung des griechischen Vornamens Apollonia, was dann natürlich auch zu meiner eigenen Herkunft passt. Denn wer kennt als Kölner nicht das alte Lied: „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia wenn d’r Franz me’m Nies noh’m »Ahle Kohberg« gingk, wenn d’r Pitter Ärm en Ärm me’m Appolonia (!) stillverjnööch o’m Heimwäch ahn ze Knutsche fingk.“

Wie im echten Hühnerleben: die kleinste kommt zum Schluss: Molly

Huhn_DSC41702017,

Molly war von Beginn an die kleinste und vermutlich jüngste von den drei Hühnern. (Was sich später ganz erheblich ändern sollte! Das mit der Größe.) Aber auch ein bisschen dicklich. Und nicht so schnell beim Futter, wie die anderen. Wir hatten  manchmal Angst, dass sie überhaupt genug abbekommt. Aber sie ist nicht dumm. Wenn die anderen abends schon in den Stall gingen, um sich die besten Plätze zu sichern, ging Molly seelenruhig zum Futtertrog und haute sich den Bauch voll. Daher der Name Molly. So gutmütig, wie die Lokomotive aus dem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Bei ihr hat es auch am längsten gedauert mit dem Eierlegen. Aber davon später mehr…

Huhn? Eine Charakterfrage!

Kann man Hühner eigentlich voneinander unterscheiden? Also nicht vom Rassetyp her, sondern vom Charakter? Und gibt es tatsächlich diese sagenumwobene Hackordnung? Auch bei nur drei Hühnern? (Für die Berliner Blase: Gibt es Hierarchien in der Hühner-Community? Oder sind die alle durchgegendert und relaxed?)

Ja, man kann Hühner unterscheiden. Die einen sind dominanter als die anderen, die einen sind frecher als die anderen und manche sind hochherrschaftlich. Und auch das kann sich wieder ändern. Unsere Hühner sind der lebende Beweis dafür.

Aber von Anfang an: Welche Namen geben wir unseren Hühnern? Was kurzes prägnantes, was zu ihnen passt. Passend zu ihrer Farbe? Soll man Hühnern überhaupt Namen geben? Das waren meine ersten Gedanken. Und dann kamen die Namen einfach so: Holly, Polly und Molly. Die Namen passen gut zusammen. So wie die Hühner auch. Mehr davon später…

Kleine Taschenlampe brenn – oder: Wie finden Hühner abends in den Stall ?

Nun, nachdem die Hühner endlich draußen im Auslauf umher stolzierten, hatten wir auch keine Angst mehr, dass sie verhungern oder verdursten könnten. Der Tipp für die Tränke: Nicht auf den Boden stellen, denn da ist sie nach unserer eigenen Erfahrung im Nu verdreckt. Hühner scharren und scheren sich nicht um den Dreck, der überall herumfliegt. Also besser am Dach des Auslaufs aufhängen. Die Tränke, nicht die Hühner.

Auch im Sommer gehen die Tage mal zu Ende und es wird irgendwann dunkel. Und es dämmerte (!) uns, dass die Hühner auch wieder in den Stall zurück müssen. Wir fragten uns, ob sie das ganz alleine tun oder ob wir sie dahin tragen müssen? So, wie wir sie auch raus gesetzt haben. Tja, und auf einmal war es dann dunkel. Und die Hühner nicht im Stall.

„Die finden den Weg alleine“, „das funktioniert sehr gut“, „muss man sich nicht kümmern“, waren die im Internet nachzulesenden Erfahrungen. Mag ja alles sein, ging bei unseren Hühner aber nicht. Wir waren genauso ratlos wie unsere Hühner selbst. Denn die wollten auch wieder in den Stall zurück, wussten aber nicht wie. Die Hühnerleiter war nämlich nicht mehr zu sehen, was im Dunkeln wohl meistens so ist. Meine Frau hatte dann die Idee mit der Taschenlampe….

Wir haben den Hühnern also buchstäblich heimgeleuchtet. Das erste Huhn, Polly, war kaum die Hühnerleiter hoch, da kamen Holly und Molly auch. Herdentiere eben. Nach dem ersten Tag fanden die Hühner den Weg alleine, das funktioniert sehr gut und man muss sich nicht kümmern. Nachdem die Hühner die Lektion gelernt hatten. Und wir.

Die Hühner sind da! – Und jetzt?

Tja. Da standen wir nun mit dem Karton voller Hühner vor dem Stall. Und wie kriegen wir die jetzt in ihr Häuschen rein? Wir hatten vorher gelesen, dass man die Hühner zuerst in den Stall setzen sollte, damit sie nachher wissen, wo sie abends wieder hin müssen. Aber wie anfassen?  Von oben! Ja, tatsächlich von oben. Mit beiden Händen von oben kommen und die Flügel umschließen. Dann kann man sie wirklich gut überall hinsetzen. Wenn die Hände von oben kommen, hocken die Hühner sich in einem natürlichen Reflex hin. Sie sind also wehrlos. Gerade richtig für uns Anfänger. Nach und nach holten wir die verängstigten und noch scheuen Hühner aus dem Karton und setzten sie in den Stall. Und: es passierte nichts!

Sie saßen einfach da und schauten sich unsicher um. Die Hühnerleiter herunter in den Auslauf? Keine Chance! Sie wollten gar nichts. Nicht einmal fressen. Wir warteten und warteten…

Nach einiger Zeit steckte das neugierigste Huhn, Polly,  den Kopf aus der Luke. Wir hatten ein paar Körner auf die Leiter gestreut, um sie zu locken.

Und mehr passierte an diesem Tag nicht mehr.

Nächster Morgen: Die Luke ganz aufgezogen und gewartet. Und gewartet. Die Hühner lebten noch. Aber sie kamen nicht heraus. Wasser und Fressen gab‘s aber nur draußen. Nach einer Weile fassten wir uns dann ein Herz und nahmen Holly (die Schwarze) aus dem Stall und setzen sie in den Auslauf. Wir konnten gar nicht so schnell gucken, wie sie wieder (über die Hühnerleiter!) in den Stall zurücklief. Erster Versuch also fehlgeschlagen. Dann eben zweiter Versuch. Molly (die Weiße) genommen, und in den Auslauf gesetzt. Die war so beleidigt, (das sollte sie noch öfter sein) dass sie einfach dort sitzenblieb, wo ich sie hingesetzt hatte. Das wiederum war gut, denn nun war die Neugierde der anderen beiden geweckt…

Es dauerte nicht mehr lange, bis es soweit war und die beiden herauskamen. Aber dann wartete das nächste Erlebnis. Wir hatten den Auslauf mit Gräsern und Wiesenblumen bepflanzt, damit unsere Hühner direkt was zu fressen hatten. Das kannten die drei aber gar nicht. Sie stolzierten wie ein Storch durch die Wiese, ängstlich, auf die Grashalme zu treten.  Das hat allerdings nicht besonders lange angehalten. Nach 14 Tagen waren alle Pflanzen restlos abgegrast und nur noch brauner Boden und Kuhlen zu sehen. Wir haben danach keine Pflanzen mehr in den Auslauf gesetzt…

Nach ein paar Stunden fühlten sich die Hühner sichtlich wohl und wir waren erleichtert, den Transport und die Eingewöhnung überstanden zu haben. Aber der Abend sollte ja noch kommen…